Air Berlin streicht den Tierschutz
Air Berlin bringt leere Tiertransportboxen nicht mehr kostenlos zurück nach Spanien. Für die Tierschutzorganisationen auf Mallorca und Ibiza ist das eine Katastrophe. Der Transport von vielen Tierheiminsassen nach Deutschland ist gefährdet.
IBIZA/SPANIEN (05.05.2010): Im Tierheim der D.U.O. Tierhilfe auf Ibiza kuschelt sich Lita in ihre Decke. Die neunjährige Hündin wurde abgegeben, weil ihre ehemaligen Besitzer keine Zeit mehr für sie hatten. Doch Lita hat in Spanien keine Chance auf eine Vermittlung, denn sie hat ein Handicap: Sie ist blind.
Hunde wie Lita, aber auch viele Vierbeiner ohne Behinderung, haben nur in Deutschland eine Chance auf Familienanschluss. Deshalb bringen Tierschutzvereine jedes Jahr viele Hunde und Katzen mit Flugpaten nach Deutschland. Alleine bei D.U.O. waren es im letzten Sommer 60 Tiere, die so einen neuen Besitzer gefunden haben.
Bisher hat Air Berlin die leeren Transportboxen, die auf Flügen vorgeschrieben sind, kostenlos nach Spanien zurückgebracht. Für die Tierschutzorganisationen eine ungeheure Erleichterung. Doch seit Mitte April berechnete Air Berlin die Boxen wie normales Übergepäck mit 10 Euro pro Kilo. Bei einem Gewicht von bis zu 11 Kilogramm pro Behältnis kommt da einiges zusammen. Rechnet man ein Durchschnittsgewicht von acht Kilo pro Box, kommen bei 60 Transporten im Sommer Mehrkosten von 4.800 Euro auf D.U.O. zu. Für den Verein eine Summe, die er nicht tragen kann.
„Und auch von den adoptionswilligen Tierfreunden kann man nicht erwarten, dass sie diese zusätzlichen Kosten übernehmen“, sagt Christiane Michel von D.U.O. „Die Schutzgebühr pro Tier beträgt 250 Euro plus 40 Euro Transportkosten. Wenn dazu noch Rückführungskosten für Leergut kämen, würde dies zu noch weniger Vermittlungen führen“, befürchtet sie.
Bisher kann D.U.O. noch improvisieren. Der Verein hat sich mehrere Boxen geliehen und die benutzten Behälter vorerst in Deutschland gelassen. Mitte Mai werden sie von einem Freund der Organisation mit einem Privatwagen nach Ibiza zurückgebracht. Vielleicht geht das auch im Herbst noch einmal. In der Zwischenzeit wird es aber eng.
„Bis zum Herbst wäre der Sommer ein einziges Desaster“ sagt Christiane Michel und weiter „ich hoffe, dass Herr Hunold ein Einsehen hat, zumal er ja selbst Hundebesitzer ist. Ich könnte mir vorstellen, dass diese unsägliche Entscheidung sicher nicht von ihm persönlich getroffen wurde, sondern in den „unteren Rängen“.
Air Berlin erklärt die Entscheidung auf Nachfrage wie folgt: „Eine kostenlose Beförderung von Transportboxen ist seit der Überarbeitung unserer Gepäckbestimmungen nicht mehr möglich“ sagt Air-Berlin-Sprecherin Diane Daedelow.
Mit dieser Änderung habe Air Berlin ein „klares und transparentes System geschaffen, das gleiche Tatbestände - nämlich Zusatzgepäck - gleich behandelt“. Daedelow weiter: „Jedes Zusatzgepäck verursacht neben höheren Handlingkosten auch einen höheren Treibstoffbedarf durch das zusätzliche Gewicht. Das steht im Gegensatz zu unserem Bemühen, möglichst den Treibstoffbedarf und damit auch den Co2-Austoß zu reduzieren.“
Lita liegt inzwischen immer noch auf ihrer Decke im Tierheim auf Ibiza. Ob sie jemals „ihren Flug“ nach Deutschland bekommt, ist ungewiss.
Wenn Sie Lita oder einem anderen Tier helfen wollen, finden Sie alle Informationen auf:
Dort finden Sie auch eine vom Verein ins Leben gerufene Aktion mit der Air Berlin zum Umdenken gebracht werden soll.
Fotos: Air Berlin und D.U.O. Ibiza
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