Jenseits von Mallorca - Eine Reise durch die spanischen Geoparks
Eine Fahrt entlang der Küste der baskischen Provinz Guipuzcoa lässt die Blicke weit schweifen. Über endlose, fast menschenleere Strände, sanfte grüne Hügel, weiße Kreidefelsen und eine seltsame Abfolge von horizontalen steinernen Platten, die weit ins Meer hinein reichen. Zwischen den malerischen Hafenstädtchen Zumaia, Deba und Mutriku hat sich im Laufe der Jahrmillionen eine großartige Küstenlandschaft aus sogenanntem Flysch entwickelt, deren Schönheit und Faszination besonders bei Ebbe zutage tritt. Sie muten an wie umgekippte Felsen, die sich flach ins Meer ergossen und die die Wellen eigenwillig gezackt oder abgerundet geformt haben. Diese Region, wo die westlichen Pyrenäen aufs Meer treffen, wurde aufgrund ihrer herausragenden geologischen Bedeutung vor einigen Monaten aufgenommen ins Europäische Netzwerk der Geoparks, das von der UNESCO unterstützt wird. Gemäß der Definition der UNESCO ist ein Geopark eine Region, die Phänomene spezieller geologischer Bedeutung, Seltenheit und Schönheit aufweist. Sie repräsentieren auf anschauliche Weise die geologische Entwicklung des Gebietes. Das europäische Geopark-Netzwerk besteht seit dem Jahr 2000. Ziele sind die Bewahrung des erdgeschichtlichen Erbes und der geologischen Vielfalt europäischer Landschaften sowie eine nachhaltige Entwicklung der jeweiligen Region vornehmlich durch die Förderung eines Geo-Tourismus.
Mittlerweile gehören dem Netzwerk 43 Gebiete in 17 Ländern an. Die Geopark-Regionen bieten ihren Besuchern Geo-Pfade und Informationszentren, touristische Ausflugsprogramme und Aktivitäten. Der Besucher entdeckt nicht nur eine faszinierende Landschaft und ihre Schönheit, sondern ihm wird auf anschauliche Weise bewusst, warum und wie die Landschaft ihre Form annahm. So kann man an der baskischen Küste auf interessanten Touren per Boot oder zu Fuß in die spannende Erdgeschichte von 60 Millionen Jahren eintauchen.
In der achtstündigen Flyschtrekking-Tour beispielsweise erfährt man, warum an der Grenze zwischen Kreidezeit und Tertiär die Dinosaurier verschwanden oder welche Bedeutung der Klimawandel für die Erde an der Grenze zwischen Paläozän und Eozän hatte. Man betrachtet fasziniert die tektonischen Formationen, die Falten und Verwerfungen, die während der Öffnung der Biskaya-Bucht, der Verschiebung der Erdplatten und daraus folgenden Auffaltung der Pyrenäen entstanden. Vor dem geistigen Auge des Besuchers eröffnet sich wie in einem Film die Entstehung dieser Landschaft. Neben drei verschiedenen Wandertouren werden zwei Bootstouren angeboten, sowie zwei Touren, die sowohl die Phänomene vom Land als auch vom Meer aus betrachten und erklären. In Informationszentren in Zumaia und Mutriku erhält man einen Überblick über das reiche geologische Erbe der Region. Abgerundet wird der Ausflug in die Erdgeschichte auf einer Karstroute ins Landesinnere, wo eine Berglandschaft aus Kalkstein, die vor vielen tausenden von Jahren aus Korallenriffen bestand, und ein interessantes Höhlensystem entdeckt werden können. Infos zum Geopark Baskische Küste unter:
www.mutriku.net/nautilus
www.algorri.eu
www.geoparkea.com (spanisch)
www.spain.info/de_DE/reportajes/ruta_del_flysch_acantilados_con_50_millones_de_historia.html
Folgt man dem Verlauf der Pyrenäen nach Osten erreicht man ihre mächtigen Gipfel und Gletscher, ihre verschwiegenen Täler, Flüsse und urigen Bergdörfer im Gebiet des Sobrarbe, das sich zwischen Huesca und den Hochtälern rund um die Pyrenäenriesen des Monte Perdido und des Maladeta-Posets-Massivs erstreckt. Hier kann man nicht nur die herrliche Bergwelt und ihre dramatischen Schluchten erwandern, sondern auf spannenden Geo-Routen von Norden nach Süden dem gesamten 550 Millionen Jahre dauernden Entstehungsprozess dieses Gebirgszuges anhand seiner Gesteine und Landschaftsformen auf den Grund gehen. Die geologische Tour beginnt man am besten im Informationszentrum in der alten Burg von Aínsa. Von dort ausgehend erfährt man an den verschiedenen Orten mithilfe der Erläuterungen auf Informationstafeln Wissenswertes zu Entstehung und Aufbau der Pyrenäen. Man entdeckt, wo sich das Meer des Tertiär befand, bestaunt die Spuren von Fossilen in den Gesteinen der Vorpyrenäen, lernt auf die anschaulichste Weise vieles über Sedimentationsprozesse, schaut auf die Faltungen und Verwerfungen in Felswänden, die man vorher nie wahrnahm, und lernt die Entstehung und Typen von Flüssen, die Aktivität der Gletscher im Zeitalter des Quartär und die zahlreichen durch unterirdischen Wasserlauf entstandenen Karstsysteme kennen. Und man kann die Reste der ältesten Felsen einer Gebirgskette aus dem Paläozän bewundern, die sich einst über Europa erstreckte, noch bevor es zur Auffaltung der Pyrenäen kam. Heute sind diese Felsen die Basis, auf denen die höchsten Gipfel der Pyrenäen ruhen. Auf einer geologischen Minenroute erhält man interessante Einblicke in die frühe Minentätigkeit in den Hochlagen der Pyrenäen und wie sie das Aussehen der Landschaft veränderte. Für sportlich ambitionierte Urlauber gibt es mehrere Mountainbike-Routen mit 20 geologischen Haltepunkten.
Infos:
www.geoparquepirineos.com (in englisch, französisch und spanisch).
Ein weiterer Geopark in Aragonien liegt südlich von Zaragoza in der Provinz Teruel. Der Maestrazgo bietet eine großartige Landschaft voller bizarrer Felswände, gefaltete und gestauchte Jura- und Kreidekalkformationen, dramatische Schluchten, Ahorn- und Pinienwälder sowie stille, abgeschiedene Dörfer fern aller Hektik, in deren Burgen im Mittelalter die Ritterorden herrschten. Infos:
www.turismomaestrazgo.com/introduction.htm
In Andalusien gibt es zwei Geoparks, von denen einer im Naturpark der Sierras Subbéticas, einer Karstlandschaft ersten Ranges im Südosten Córdobas liegt. Hier gibt es, sowohl überirdisch als Dolinen oder Steinfelder, als auch unterirdisch in Form von mehr als 700 Höhlen (498CO), sämtliche, durch Auflösungsprozesse im Kalkstein entstandene Karstformen. Infos:
www.spain.info/de_DE/disfruta/en_la_naturaleza/espacios-naturales/parque_natural_de_las_sierras_subbeticas_de_cordoba.html
In die faszinierende Welt der Vulkane schließlich führt der fünfte Geopark Spaniens, in den Naturpark Cabo de Gata – Níjar in der andalusischen Provinz Almeria. 1997 wurde diese außergewöhnliche Region zum Biosphärenreservat der UNESCO erklärt. Zum Cabo de Gata-Níjar-Geopark gehören neben einer Fläche von 380 qkm Festland auch 120 qkm Meeresfläche und 50 km der wohl am besten erhaltenen Felsklippen des Mittelmeers. Der Geopark repräsentiert das beste Beispiel für fossilen Vulkanismus der iberischen Halbinsel. Der Besucher wandelt hier durch ein faszinierendes geologisches „Freilichtmuseum“: erstarrte Lavaströme, Vulkankegel, Vulkankrater, fossile Strände und bizarre schwarze Felsformationen. Im Süden des Reliefs finden sich weite Salinen, ein wichtiges Revier für Zugvögel, Flamingos oder Möwen. Viele der herrlichen Strände, einige von ihnen sind nur zu Fuß, mit dem Geländewagen oder mit einem speziellen Busservice im Sommer zu erreichen, sind von weiten Dünen umgeben. Mit einsamen Weilern, Schluchten und ausgetrockneten Täler erinnert die bizarre Landschaft an Nordafrika. Im neuen Geo-Museum „Vulkanhaus“ in Rodalquivir erfährt man alles über den Vulkanismus, die Landschaften, die Flora und Fauna des Parks. Daneben gibt es verschiedene Wanderwege und Vogelbeobachtungsstationen. Informationen unter:
www.spain.info/de_DE/disfruta/en_la_naturaleza/espacios-naturales/parque_natural_del_cabo_de_gata-nijar.html
Sowie über die Seite der Europäischen Geoparks:
www.europeangeoparks.org
10.09.11 06:10
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