Die Höhlen von Artà - es geht auch ohne Kitsch
Die Tropfsteine in den Höhlen von Artà wachsen einen Zentimeter in 100 Jahren. Spätestens wenn die Besucher vor der „Königin der Säulen“ die mit ihren 22 Metern Höhe der größte Stalagmit des Höhlensystem ist, stehen, beginnt das große Rechnen. Seit 220.000 Jahren wächst die gewaltige Säule in die Höhe – die Decke hat sie bisher noch nicht erreichte. Das wird erst in weiteren 5.000 Jahren der Fall sein.
Die Höhlen von Artà sind ein Naturerlebnis der besonderen Art. Man betritt sie nicht, wie man vermuten könnte über den natürlichen Eingang und die große Freitreppe, sondern über einen künstlichen Gang an der Seite. Die Treppe wurde übrigens 1860 extra für einen Besuches von Königin Isabella II gebaut – die Königin kam nie, dafür haben die Urlauber jetzt vom Höhlenausgang eine grandiose Aussicht über die Bucht von Canyamel.
Bereits der erste Blick in die Höhle ist beeindruckend. Im Laufe der Jahrtausende haben sich unzählige Tropfsteine gebildet. Selbst bei einem mehrmaligen Besuch findet sich immer wieder etwas Neues.
Bei den Führungen durch die Höhle kann man mit ein wenig Fantasie die verrücktesten Formen erkennen. In einem Saal hängt eindeutig kopfüber ein Schaf von der von der Decke, im nächsten befindet sich eine gigantische Orgel. Aber auch Löwen, Zypressen und sogar ein Denker lassen sich ausmachen.
Besonders beeindruckend ist eine Gruppe Stalagmiten, die die „Glocken“ genannt werden. Wenn man mit der Faust gegen die Steine schlägt, ertönt ein harmonischer Klang und jede Säule dieses steinernen Glockenspiels klingt anders. Mit etwas Glück erwischt man einen Führer, der die Gäste auch selbst einmal die Glocken schlagen lässt.
Ganz ohne kitschiges Lichtspiel geht es aber leider auch in den Cuevas d‘ Artà nicht. In der sogenannten „Hölle“ muss man für ein paar Minuten bunte Lichter und unheimliche Musik über sich ergehen lassen. Im Vergleich zu den Coves del Drac bei Porto Christo ist das Spektakel aber eher dezent gehalten.
In der Höhle herrschen im Sommer und im Winter angenehme Temperaturen, sie liegen konstant bei 17 Grad. In früheren Zeiten war sie deshalb wohl auch bewohnt. Viele Jahrhunderte war sie ein Rückzugspunkt für Piraten.
1229, als König Jaime I. Mallorca endgültig von den Mauren zurückeroberte, wurde sie zum letzten Zufluchtsort für die maurischen Soldaten. Wenn Sie vor der Höhle stehen schauen Sie einmal nach oben und an die Seite – noch heute kann man die Rußspuren sehen, die die Soldaten des Königs hinterließen, als sie versuchten die Mauren auszuräuchern.
Tipps für Ihren Besuch:
Heute besichtigen täglich viele Touristen die Höhlen von Artà, sie sind aber lange nicht so überlaufen wie die Coves del Drac bei Porto Christo.
Die Fremdenführer sprechen Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch. Die Länge der Führungen variiert stark, je nachdem in wie viele Sprachen der Führer an den einzelnen Punkten übersetzten muss. Man sollte 25 bis 40 Minuten einplanen.
Obwohl die Wege in den Höhlen gut ausgebaut sind, ist der Besuch für Rollstuhlfahrer und schwer gehbehinderte Menschen nicht geeignet, es gibt einfach zu viele Treppen.
Fotografieren ist in den Höhlen von Artà erlaubt (Stand: Oktober 2010)
Der Eintritt kostet 10,50 Euro, Kinder bis sechs Jahre sind frei.
So kommen Sie hin
Die Coves d’Artá liegen nicht direkt bei Artá, sondern etwa 1,5 Kilometer östlich des Küstenortes Canyamel, an der Südseite des Cap Vermell. Der Name ist etwas irreführend, er stammt noch aus einer Zeit als das Gebiet auf dem die Höhlen liegen noch zu Artà gehörte und nicht wie heute zur Gemeinde Capdepera.
Der Weg zu den Höhlen ist gut ausgeschildert, Sie können sie eigentlich kaum verfehlen – wenn Sie allerdings über die Ma-12 aus Richtung Can Picafort nach Artá kommen müssen Sie am ersten Kreisel vor Artà in Richtung Cala Ratjada fahren, am zweiten dann nach Artà hineinfahren und dann gegenüber der Station der Guarida Civil rechts in die Allee (Av. De Costa i Llobera) einbiegen. Ab dem nächsten Kreisel sind die Höhlen dann ausgeschildert.
In Canyamel angekommen, müssen Sie den Ort durchqueren. Etwas nördlich führt eine gut ausgebaute Straße bis zum Parkplatz der Höhlen. Von dort aus sind es noch etwa 150 Meter zu Fuß, vorbei an der beeindruckenden Steilküste, bis zum Eingang.
Am Kiosk auf der linken Seite können Sie die Eintrittskarten kaufen, meistens muss man dann noch ein paar Minuten auf die Führung warten. Die Wartezeit können Sie sich gut bei einem Kaffee vertreiben, er ist nicht schlecht und die Preise sind mit z.B. 1,50 Euro für einen „Café con leche“ (Stand: Oktober 2010) in der unmittelbaren Nähe einer Sehenswürdigkeit günstig.
31.10.10 13:35
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