Mercat de Santa Catalina - der schönste Markt der Inselhauptstadt

Dicht an dicht liegen sie nebeneinander: Cap Roig, Moll Vermell, Rap, Bruixa, und wie die Fische sonst noch heißen, die in den Gewässern rund um die Balearen schwimmen. Am Fischstand von Isabel findet man sie alle und noch mehr. Der Stand von Isabel ist, wie die meisten der übrigen rund 150 Stände im Markt von Santa Catalina, ein Familienbetrieb. „Meine Mutter und meine Großmutter haben hier schon gearbeitet. Und mein Vater fischte früher noch selbst“, sagt die blonde Frau.

Das gehört ebenso der Vergangenheit an wie die ursprüngliche Bedeutung des Marktes. Früher diente der „Mercat des Santa Catalina“, wie die Halle offiziell auf Katalanisch heißt,  mitten im Viertel Santa Catalina der Grundversorgung des ehemaligen Fischerviertels. Palmas westlicher Stadtteil ist ein Ort mit verwinkelten Gassen und idyllischen Hinterhöfen. Einfache Arbeiter und Fischer lebten hier mit ihren Familien. Dementsprechend bodenständig war auch das Angebot im Markt. Vor etwa zehn Jahren hat sich das Bild komplett gewandelt Die vor Jahren noch verfallenen Häuser mit den grünen Läden und den kleinen Balkonen wurden zum großen Teil renoviert. Junge Architekten entdeckten den vergessenen Stadtteil, immer neue Bewohner, neue Läden und neue Restaurants haben Einzug gehalten. Die Bewohner heute sind eine bunte Mischung aus Einheimischen, mittellosen Aussteigern, gutverdienenden Anwälten, Architekten und jungen Aufsteigern. Ein alter Stadtteil im neuen Glanz, der auch längst von den Urlaubern entdeckt ist.

Auch das Bild des Marktes hat sich seither komplett gewandelt. In dem länglichen, gelben Flachbau dominieren heute internationale und spanische Spezialitäten, die allmählich das traditionelle Angebot verdrängen. Es gibt Käse aus Frankreich und der Schweiz, deutsches Sauerkraut, Ananas aus Costa Rica, Zitronengras aus Thailand oder den obligatorischen Jamon Iberico, also den traditionellen spanischen Schinken, der in ganzen Keulen so dekorativ an Haken baumelt. Kurzum: Im Catalina-Markt gibt es alles, was der Gourmet von Welt verlangt.

Das exklusive Angebot ist nicht zufällig. „Wenn wir überleben wollen, müssen wir uns spezialisieren, sagt Virgilio Izquierdo Tarongí, Präsident der Händlervereinigung des Marktes. Hauptgrund ist vor allem das veränderte Kaufpublikum. „Rund 80 Prozent der Kunden kommen heutzutage nicht mehr aus dem Viertel, sondern aus allen Teilen Palmas und Mallorcas. Ein großer Teil sind Residenten und Touristen. Die veränderte Kundenlandschaft birgt aber auch Risiken. „Wenn die Touristenzahlen zurückgehen, geht es uns auch nicht gut“, sagt Obst- und Gemüsehändler Salvador. Der 60-Jährige weiß, wovon er spricht. Denn er hat auch andere Zeiten erlebt.

Noch vor wenigen Jahren krähte in Palmas ehemaligem Fischerviertel nämlich kein Hahn nach feiner Paté, Bio-Honig, Trüffel oder Fischspezialitäten aus anderen spanischen Regionen. Es kamen immer weniger Kunden, und viele Stände verwaisten. Seit etwa Ende der 1990er Jahre erlebt der Markt genauso wie das ganze Viertel neuen Glanz und Auftrieb, und freie Ladenflächen sind Mangelware. Nicht zuletzt dank der Ausländer erlebt Santa Catalina eine Renaissance. Heute ist es wieder in und schick, hier einzukaufen.

Mit Einkaufen allein ist es aber oft nicht getan. Wer den Santa Catalina-Markt besucht, will auch eine gehörige Portion Erlebnis und Entspannung. Nirgendwo gelingt das besser als im „Frau“, der ältesten Bar in der Halle. Das äußerlich schlichte Frau ist so etwas wie die Seele des Marktes. Hier wird deutlich, dass Lebensmittel nicht nur der Lebensmittelgrundversorgung dienen, sondern auch eine soziale Funktion erfüllen. Im Frau verkehrt auf jeden Fall überwiegend Stammpublikum, das „Frit Mallorquí“ und andere Inselspezialitäten genießt, die hier in einer Winzküche gebruzzelt werden. Dazu sitzt der Kunde entweder an der Theke oder an kleinen Holztischchen, die noch zwischen Wand und Theke Platz gefunden haben.

Wer den Santa Catalina-Markt besucht, sollte aber auch mal einen Blick in die Straßen um die Halle werfen. Dort liegt die Plaça de la Navigació, die mit einem großen Angebot an gemütlichen Cafés lockt und wo man bei schönem Wetter auch draußen einen Café con leche genießen kann.

Info Santa Catalina-Markt: Der „Bauch von Palma" ist der älteste Markt der Insel. Schon zu maurischen Zeiten verkauften hier Bauern und Fischer Frischgeerntetes und Frischgefangenes an die reichen Bürger. 1249 verlieh König Jaume I. den Ständen die amtlichen Marktrechte. Heute kaufen die ambitionierten Köche der Insel – darunter viele deutsche - an den Ständen ihre Zutaten ein.

Lage: zwischen Calle Anibal und Calle Dameto.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 7 – 14 Uhr.

Tipp: Unter http://mercats.palmademallorca.es kann man aktuelle Preis für einzelne Produkte abrufen. Die Seite ist allerdings nur auf Spanisch und Katalanisch.


01.01.11 12:02

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